STILLE ZUM ERSCHTE

April 17, 2018

Das Stillen ist etwas vom Natürlichsten der Welt. Alle Säugetiere machen es, ganz instinktiv (solange sie es bei einer Artgenossin abschauen konnten). Wir Menschen haben allerdings, zumindest bei uns in der ersten Welt, daraus eine Wissenschaft für sich gemacht.

 

Klar ist, stillen muss gelernt werden. Auch wenn es etwas Natürliches ist und das Baby instinktiv nach der Brust sucht, gibt es doch ein, zwei Tipps und Kniffe, welche das ganze Prozedere angenehmer und einfacher machen. Ganz viele Mütter wollen ihr Kind stillen, schliesslich ist es cheibe praktisch, da es keine sterilen Schoppen, Pulver und abgekochtes Wasser in der richtigen Temperatur braucht und man nachher nichts mehr abwaschen muss (ausser bei mir manchmal die vorübergehend vom Milchspendereflex überflutete Tochter).

Doch trotz dieser offensichtlichen Vorteile ist es halt auch so, dass stillen am Anfang scheiss weh tun kann. Das Saugen eines Babys an der Brustwarze hat nicht mal ansatzweise etwas mit dem lüsternen Zungenspiel des heissen Liebhabers zu tun. Ich glaube, auch bei dem beliebten Hausfrauenporno mit Herrn Grau geht es nicht ansatzweise in diese Richtung (auch wenn dort ‘Spielzeuge’ wie Nippelklammern eingesetzt werden). Eine Vorstellung, wie schmerzhaft es sein kann, bekommt man, wenn man sich überlegt, dass die Generation unserer Grossmütter noch so Tipps bekamen wie Brustwarze mit Zitronensaft einreiben oder Brustwarze mit einem rauen Waschlappen abrubbeln, damit man abgehärtet ist fürs Stillen. Das wird heute natürlich nicht mehr empfohlen, weil es nichts bringt, aber dass man mal dachte, so etwas tut gut, zeigt in welche Richtung die Empfindung am Anfang des Stillens gehen kann.

 

Stillen will gelernt sein

 

Deshalb mein erster Tipp: Lass dir von der Hebamme ganz genau zeigen und beschreiben, wie du das Baby ansetzen sollst und wie es sich anfühlen sollte. Oder schaue am besten schon in der Schwangerschaft einem anderen Mami beim Stillen zu.

Normal ist, dass das Ansaugen am Anfang weh machen kann. Schliesslich wird das empfindliche, erogene Gewebe ähnlich wie von einem leistungsstarken Staubsauger ohne Saugkraftverlust eingeschlürft. Und daran muss sich das Gewebe am Anfang einfach erst gewöhnen. Beim Trinken selber sollte es aber nicht mehr weh tun, sonst hast du das Baby falsch angedockt, resp. das Baby hatte in seiner alles umfassenden Ungeduld einfach angesaugt, was es grad erwischt hat. Und meine eigene Erfahrung dazu: Wenn es beim Trinken nur es bitzli weh macht, ganz es birebitzeli, dann denke ja nicht, ok halte ich aus, ist ja nicht so schlimm. Denn auch nur es bitzeli falsch sorgt für wunde Brustwarzen und die tun beim nächsten Mal stillen bereits saumässig weh und nicht mehr nur es bitzeli. Also, wenn es weh macht, nochmal das Vakuum lösen, nochmals richtig andocken und hoffen, dass es klappt.

Ziemlich sicher werden alle von euch trotzdem mal wunde Brustwarzen haben, nicht mal, weil das Baby falsch angesetzt wurde, sondern einfach, weil durch das lange Saugen und Nuckeln das Gewebe aufweicht. Mir hat in diesen Fällen der Multi-Mam Balm geholfen. Ich habe ihn im Geburtshaus bekommen, grosszügig angewendet und es wurde meist schnell wieder besser.

 

 

Nach den normalen anfänglichen Beschwerden ging es bei mir dann ziemlich gut, bis auf die Phase, wo Traum-Baby beschlossen hat, sich am Abend eeeeeewigs lang in den Schlaf zu nuckeln. Meine Brustwarzen waren sich nach den ersten Wochen erst knapp 5- bis 10-minütige Stillsessions gewohnt, wenn daraus plötzlich 30 bis 40 Minuten werden, muss sich das Gewebe wieder umgewöhnen.

Ansonsten kann ich mich aber überhaupt nicht beklagen, meine Brüste sind fürs Stillen gemacht (ok, alle Brüste sind dafür gemacht, aber einige bereiten trotzdem mehr Probleme als andere). Natürlich hätte ich gerne den perfekten Busen und nicht meinen grossen, aber lampigen Vorbau. Doch meine Brüste haben einfach alles weggesteckt, den Milcheinschuss habe ich kaum gespürt und wenn meine Tochter an einem Tag im Zoo beschlossen hat, dass sie nur aus der rechten Brust, aber auf gar keinen Fall aus der linken Brust trinken will, hat die linke auch nach gut 6 Stunden nicht weh getan und es gab auch keinen Milchstau.

 

Hab Vertrauen in deine Brust

 

Nun mein zweiter Tipp: Mach das Stillen nicht unnötig kompliziert. Aufschreiben oder mit einer App messen, wie oft dein Baby wie lang an welcher Brust trinkt ist aus meiner Sicht unnötig. Wenn du dein Kind immer nach Bedarf anlegst, dann werden die Brüste genügend zur Milchproduktion angeregt. Nach Bedarf heisst, dass du dein Baby bei den ersten Hungerzeichen an die Brust nimmst (der Säugling wird unruhig, dreht den Kopf und sucht die Brust, schmatzt oder steckt sich die Faust in den Mund). Weinen ist bereits ein Notfallzeichen und wenn immer möglich, sollte das Baby angelegt werden, bevor der Hunger so schlimm wird.

Vertrau auf deinen Körper und dein Kind. Baby und Brust wissen, wie das Kind am besten versorgt wird. Dein kleiner Schatz wird sich immer melden, wenn etwas nicht passt. Solange er nach dem Stillen zufrieden ist, nicht bereits nach einer halben Stunde wieder nach der Brust verlangt und immer wieder eine nasse Windel hat, ist alles tiptop. Dann ist es egal, ob dein Kind 5 oder 20 Minuten an einer Brust trinkt, ob es alle 90 Minuten oder drei Stunden kommt.

Und all die Helferchen, welche einem daran erinnern sollte, welche Brust zuerst drankommt (farbige Stilleinlagen, Büroklammer am BH oder Armreifen etc.) bringen meist nichts. Zumindest ich habe einfach jeweils vergessen, die Seite des Helferchens zu wechseln und wusste dann immer noch nicht, welche Brust jetzt drankommt. Schnell abtasten und fühlen ob eine Brust praller ist als die andere reicht in meinen Augen vollkommen! Wenn man es nämlich spürt, dann weiss man es und wenn man es nicht spürt ist es ja auch egal. Ich habe mein Traum-Baby immer nach ihrem Bedarf gestillt (mache ich auch jetzt mit über 14 Monaten immer noch, wenn auch ein bisschen häufiger mal an meinen Bedarf angepasst) und empfand das als das Einfachste und Unkomplizierteste.

 

Stillen ist eine 24-Stunden-Beschäftigung

 

Und jetzt als Abschluss leider noch eine 'traurige' Wahrheit, welche mir vor meinem ersten Kind nicht bewusst wahr. Man hört ja immer wieder, dass man am Anfang die Neugeborenen alle zwei Stunden stillen muss. Grob gesehen stimmt das auch. Doch ich (und nach Gesprächen mit anderen Mamis weiss ich, nicht nur ich) habe mir so gedacht, dass alle zwei Stunden stillen heisst, dass ich zwischen dem Stillen jeweils zwei Stunden Pause habe (um zu duschen, schlafen, essen, verträumt das Baby anhimmeln, die gefühlten 6397 Glückwünsche beantworten, einkaufen, Wäsche waschen, Fenster putzen, …).

Doch dem ist nicht so, die zwei Stunden rechnen sich von Beginn des Stillens zum Beginn des nächsten Stillens. Das bedeutet, dass ich um 12 Uhr mit Stillen anfange. Um 12.15 ist die erste Brust leer, das Schätzchen wird gewickelt (um zu wecken und bei denjenigen, welche sich mit der Ausscheidungskommunikation befassen um abzuhalten). Wenn man sehr schnell ist (was ich nicht war), dann kann man um 12.25 Uhr mit der zweiten Brust weitermachen und ist um 12.40 Uhr mit dem Stillen fertig. Aber jetzt ist das Kind satt und zufrieden und meistens möchte es jetzt unterhalten werden. Und sie sind ja sooooo süss, deshalb macht man das gerne. So gegen 13 Uhr schläft es dann vielleicht langsam ein. Aber bis zum nächsten Stillen sind es jetzt nur noch 60 Minuten und nicht mehr zwei Stunden. Und das auch nur, wenn du Glück hast und so ein speditives Trinkerchen wie ich hast und nicht ein Dauernuckler, der sich locker 30 Minuten mit einer Brust beschäftigen kann. So wurden von den geplanten to Do’s bei mir meistens nur das schlafen, essen, Baby anhimmeln, ab und zu duschen und Nachrichten auf dem Handy beantworten in dieser Zeit erledigt . Für alles andere braucht es meiner Meinung nach Unterstützung. Doch dazu ein anderes Mal mehr.

 

 

Abschliessendes Fazit

 

Einen Säugling zu haben ist wunderschön, stillen ist toll, aber beides ist auch streng. Überlegt euch einfach mal: Mein Traum-Baby kam mit 3125 Gramm auf die Welt, nach einem halben Jahr hat sie ihr Gewicht gut verdoppelt. Über drei Kilo Mensch mehr ausschliesslich dank meiner Milch. So etwas Nahrhaftes und Potentes kostet den Körper viel Kraft. Dazu kommen der Schlafmangel und ein zuvor absolut unbekanntes Verantwortungsgefühl.

Trotzdem lohnen sich all die Mühen! Und das ist definitiv nicht nur eine Phrase von mir, ich kann wirklich mitreden. Mein Traum-Baby lässt mich seit gut einem Jahr meistens nicht länger als zwei bis drei Stunden am Stück schlafen und findet Essen nur so halbwegs notwendig um den Hunger zu stillen, sondern vielmehr praktisch um die Wohnung neu zu dekorieren, weshalb meine Brust nach wie vor in Reichweite bleiben muss (und somit auch ich, da Schoppen auch nicht so schön sind wie der frische Saft direkt aus der kuschelig weichen Brust). Und ich habe mein Entschluss Mami zu werden noch keine Stunde lang bereut!
 

Wie geht es bei euch mit dem Stillen? Habt ihr auch positive Erfahrungen gemacht wie ich? Oder gehört ihr zu den Armen mit Milchstau und Brustentzündung? Lasst mich an eurer Weisheit teilhaben und schreibt mir doch einen Kommentar!

 

Auf viele Nachrichten freut sich euer Traum-Mami

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