ICH LÄBE ARTGRECHT

October 21, 2018

Der Mensch hat für ziemlich alle Situationen mit Tieren Standards verfasst, was für die jeweilige Spezies ein artgerechtes Leben bedeuted. Meerschweinchen dürfen nicht einzeln als Haustiere gehalten werden, Rinder bis 200 kg haben Anrecht auf zwei Quadratmeter eingestreute Liegefläche und Zoos geben viel Geld aus, um neue, grosse und abwechslungsreich strukturierte Gehege für die Tiere zu bauen. Das diese Massnahmen und Richtlinien nicht nötig wären, wenn es den Mensch nicht in diesem Ausmass gäbe, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall geben sich die meisten Menschen Mühe, dass die Tiere in ihrem Umfeld (Haus-, Nutz- und Wildtiere in Gefangenschaft) ein artgerechtes Leben haben. Doch leben wir Menschen auch artgerecht?

Mit diesem Thema befasst sich meine sogenannte 'Baby-Bibel'. Diese habe ich von meinem Mann schon in der Schwangerschaft geschenkt bekommen. Damals verschlang ich Schwangerschaftsratgeber am Laufmeter, da ich noch viel Zeit hatte. Wenige Tage später war dann aber Weihnachten und ich erhielt die Buchreihe 'Das Lied von Eis und Feuer', zehn superdicke Wälzer. Diese zogen mich absolut in ihren Bann, schliesslich wollte ich noch so weit wie möglich kommen, bevor Traum-Baby auf die Welt kam und meine ganze Zeit beanspruchen würde. Somit landete das Buch 'artgerecht - Das andere Baby-Buch' ungelesen auf einem unserer zahlreichen 'ich räum mal schnell auf und beige einfach alles aufeinander um Platz zu schaffen'-Stapel.

 

Das klassische Elternproblem

Einige Monate später habe ich die lustige Idee gehabt, dass mein Traum-Baby mit vier Monaten so langsam mal anfangen könnte durchzuschlafen, anstatt mich alle zwei bis drei Stunden (in der zweiten Nachthälfte auch häufiger) zu wecken. Ich ging deshalb in die Mütternberatung und die nette Frau hat mir erklärt, dass mein Traum-Baby nicht mehr jedes Mal die Brust bekommen sollte, wenn sie erwacht Und sowieso ja nicht mehr an der Brust einschlafen. So habe ich also nach zwei Stunden eine halbe Stunde rumgesungen, -gestreichelt und -gekuschelt, damit Traumbaby wieder ohne Brust eingeschlafen ist. Und eine Stunden später ist sie dann wieder erwacht, weil sie jetzt definitv wieder Hunger hatte. Eine Lösung also, welche mir kurzfristig deutlich weniger Schlaf eingebracht hat!

 

 

Irgendwie kam mir dann das Buch wieder in die Hände und ich habe es angefangen zu lesen. Den ersten Teil mit Schwangerschaft und Geburt habe ich nur überflogen (war ja schon vorbei). Den Rest habe ich dann verschlungen. Alles sprach mir direkt aus dem Herzen. Ich wurde in dem bestärkt, was ich sowieso gefühlt habe und es gab noch einige wertvolle Tipps, wie ich meinen Weg mit Traum-Baby weitergehen kann. Hier in die Details zu gehen, würde den Rahmen des Blogs sprengen. Doch die wichtigsten Aspekte werde ich euch gerne erklären.

 

Wir sind noch Steinzeitmenschen

Das Hauptproblem für Eltern heutzutage ist, dass unsere Babys und Kinder eigentlich noch an Steinzeitbedingungen angepasst sind. Das liegt daran, dass sich der Mensch in den letzten 10'000 Jahren verhältnismässig schnell entwickelt hat. Unsere Welt hat deshalb nicht mehr viel damit gemeinsam. Klar, unser Leben bietet wahnsinnig viele Vorteile, wir sterben nicht mehr mit 30 Jahren, von wilden Tieren werden eigentlich nur noch dumme Safari-Touristen gefressen und dass wir nicht mehr mühsam Käfer, Beeren und Wurzeln sammeln müssen oder einen todesmutigen Angriff auf ein Mammut starten, um genug zu essen zu haben finde ich auch ganz prima. Doch es gibt auch Nachteile. Wir sind meistens auf uns allein gestellt, leben nicht mehr eng mit unseren Verwandten (Gruppen von 20 bis 30 Personen)  zusammen, damit die Kinderbetreuung aufgeteilt werden kann. Wir müssen im Job Karriere machen und daneben spielerisch auch noch die perfekte Familie vorzeigen können, damit wir Anerkennung erhalten. Und von Kindern wird erwartet alleine zu schlafen, alleine zu spielen, ruhig im Kinderwagen zu liegen und wenn sie diese Erwartungen nicht erfüllen, dann stresst das Eltern und Kinder gleichermassen. Entspannung in dieses System bringt es, wenn man sich klar macht, dass dies vielleicht einfach falsche Erwartungen sind. Am Ende des Lebens ist es doch Wurst, wenn der Nachbar mehr Geld verdient hat und das bessere Auto fahren konnte oder die immer perfekte gestylte Zwetschge aus dem Zumba-Kurs nie den Eindruck machte, dass sie mit ihren Kindern überfordert ist. Wichtig ist, dass man mit sich selbst zufrieden ist und auf seinem Weg glücklich war. Naturvölker, welche noch deutlich steinzeitähnlicher leben als wir, kennen viele unserer alltäglichen Probleme mit Babys und Kindern nicht.

Ein weiteres 'Problem' an unseren Babys ist, dass wir Menschen (theoretisch) so schlau sind und ein so grosses Hirn haben, dass die Kinder zu früh auf die Welt kommen müssen, weil der Kopf sonst nicht mehr rauspasst (Mütter, die Kinder mit 37 und mehr Zentimeter Kopfumfang auf die Welt bringen, können davon ein Liedchen singen).

 

Entspannung ist die Grundlage

Im Wissen, dass wir in unserer zivilisierten Welt vielleicht die falschen Erwartungen an unsere Steinzeitbabys haben und die Tatsache, dass unsere Babys nach der Geburt erst noch nachreifen müssen (im Vergleich zu den meisten anderen Säugetieren) lebt es sich schon mal viel entspannter mit einem Baby.

Das Buch erklärt auch, dass jedes Kind etwa gleich viel 'Arbeitsaufwand' bedeuted. Wenn man aber in den ersten zwei bis drei Jahre viel investiert und sich Mühe gibt die Bedürfnisse zu stillen, dann hat man anschliessend mehr Ruhe und Freiheit, das Kind ist selbstständiger und das ist eine grosse Erleichterung, falls dann noch ein zweites kommt und auch wieder Aufmerksamkeit braucht. Somit mag es den Anschein haben, dass alle anderen Kinder früher alleine spielen, schneller durchschlafen und überhaupt weniger Arbeit für die Eltern bedeuten. Doch sind wir ehrlich, wer erzählt denn schon gerne, dass sein vierjähriges Kind einfach nicht trocken werden will und man die ganze Zeit am waschen ist oder das Durchschlafwunder ab Geburt mit drei Jahren plötzlich die ganze Nacht nach den Eltern ruft. Fortschritte verkünden wir gerne lautstark und am liebsten auch der Kassiererin im Migros, doch vermeintliche Rückschritte werden meistens schön verschwiegen. Das gibt ein sehr verzerrtes Bild, was durchaus wieder Stress verursachen kann (wie auf Social Media, wo alle nur die schönen Seiten vom Leben zeigen). Somit kann man sich vor Augen führen, dass die zeitintensiven ersten zwei bis drei Jahren uns später zu Gute kommen werden. Auch das trägt nochmals zu einer entspannteren Haltung bei. Und entspannte Eltern sind der Schlüssel zu einem ruhigen Kind.

 

 

Es gibt natürlich viele Tipps, wie man halt bei Stillproblemen, unterbrochenen Nächten und Nackenschiss-Windeln entspannt bleiben kann. Mehr dazu werde ich euch in einem anderen Blog erklären, denn dieser hier wird langsam zu lang. Bis dahin bin ich gespannt auf eure Erlebnisse. Kennt ihr den 'artgerechten' Weg? Oder habt ihr einen ganz anderen Ansatz, der für euch wunderbar funktioniert? Lasst mich doch an euren Erfahrungen teilhaben.

 

Euer Traum-Mami

 


 

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