TIPPS FÜR E ARTGRECHTI BABYHALTIG

February 23, 2019

Nachdem mein erster Blog über mein artgerechtes Leben auf so viel Interesse gestossen ist, schreibe ich natürlich mit Freuden eine Fortsetzung. Hier gehe ich ein bisschen mehr auf die unterschiedliche Aspekte ein, welche zu der bedürfnisorientierten Erziehung (das ist ein anderer Begriff für die artgerecht-Bewegung) gehören und wie man die am besten ins alltägliche Leben einbaut.

 

Stillen

Über das Stillen habe ich ja bereits berichtet, trotzdem fasse ich hier nochmals die wichtigsten Aspekte zusammen:

  • Stillen ist das Beste für Mutter und Kind (Entwicklung beim Baby, Rückbildung bei Mami, schnelles Wiedereinschlafen in der Nacht, etc.).

  • Nach Bedarf stillen ist am einfachsten. So stellt man sicher, dass genug Milch vorhanden ist und dass der kleine Schnüggel alles bekommt, was er braucht.

  • Stillen ist mehr als nur Nahrung; es ist Nähe, Liebe, Bindung, Trost, Geborgenheit und eine super Einschlafhilfe.

  • Bei Problemen kann die Hebamme oder eine Stillberaterin helfen und die allermeisten lassen sich nach kurzer Zeit ohne grossen Aufwand lösen. Natürlich kann man auch andere Mamis nach ihren Erfahrungen und Tipps fragen.

  • Abstillen ist häufig ein langer Prozess und es gibt keinen Zeitpunkt, bis zu welchem abgestillt sein muss, damit das Kind keinen Knacks bekommt oder eine Mindestdauer, damit man keine schlechte Mutter ist. Für mich war immer klar, dass ich solange stille, bis ich oder mein Traum-Baby keine Lust mehr darauf haben und wie erwartet, hatte ich zuerst keine Lust mehr.

 

Schlafen

Kein anderes Thema ist so präsent bei jungen Eltern wie das Schlafen. Kaum ist das Baby auf der Welt, kommt von rundherum die Frage: 'Und, wie schläft es?'. Auch bei uns war und ist Schlaf (respektive die für uns Grossen unzureichende und immer wieder unterbrochene Menge davon) immer wieder ein Thema oder gar Problem. Doch hier hiflt es, sich bewusst zu machen, dass unsere moderne Vorstellung von gutem Schlaf nichts mit der Steinzeitrealität in unseren Genen gemeinsam hat. Acht Stunden ungestört durchschlafen ohne geweckt zu werden ist nicht der einzige Weg für Erholung. Viele kürzere Schlafphasen können genau so gut wirken, wichtig ist, dass man nicht jedes Mal sauer wird, weil das Kind uns schon wieder geweckt hat. Negative Gefühle und Gedanken rauben nämlich deutlich mehr Schlaf als kleine süsse Babys. Die wichtigsten Tipps dazu:

  • Am Anfang braucht man als Mami Unterstützung, dass man genug Schlaf bekommt (ausser man hat ein super Schlafbaby... Ehrlich, die gibt es anscheinend wirklich, habe ich gehört). Also am Tag mal in Ruhe nachschlafen während die Grosseltern auf das Enkeli aufpassen, morgens länger liegenbleiben und Papi nimmt das Baby ins Tuch für einen Spaziergang oder sich in der Nacht auch mal ausquartieren und Papi bringt das Baby zum Stillen vorbei. Wir Menschen brauchen eigentlich einen Clan, um unsere Kinder gut begleiten zu können.

  • Neben dem Baby schlafen (egal ob Beistellbettchen oder Familienbett) hilft, dass sich die Schlafphasen von Mami und Kind angleichen. So wird man nicht dauernd aus dem Tiefschlaf gerissen und durch die Hormone vom Kuscheln und Stillen kann man auch leichter wieder einschlafen.

  • Dass ein Kind nicht in seinem eigenen Bettchen in einem eigenen Zimmer schlafen will ist völlig normal und durch die Evolution erklärbar. In der Steinzeit wurden die Babys ja auch nicht alleine unter dem nächsten Baum parkiert, weit weg von den Erwachsenen, welche ums Feuer sitzen. Denn die Menschen, welche das für eine gute Idee hielten, sind ausgestorben, weil die Kinder verfroren sind, gefressen wurden oder bei einer plötzlichen Flucht vergessen gingen und somit der Nachwuchs nicht überlebt hat, um diese Methode der nächsten Generation beizubringen. Wir haben uns deshalb für ein gemütliches Familienbett entschieden.

  • Kinder schlafen extrem laut (das hat uns beide am Anfang ziemlich überrascht). Doch nicht alle Geräusche bedeuten Hunger, manchmal ist es auch nur ein Fürzchen, das plagt und sobald das draussen ist, geht der seelige Babyschlaf weiter. Vielleicht ist auch die Blase voll und es muss abgehalten werden (dazu kommen wir gleich noch). Oder es ist ein Schlafphasenwechsel, der auch nicht zwingend mit der Brust im Mund begangen werden muss, sondern auch mit kuscheligem Streicheln bewältigt werden kann. Jedes Mami (und auch jeder Papi, schliesslich können die in der Nacht genausoviel machen, am nächsten Tag arbeiten ist hier keine Entschuldigung) muss herausfinden, wann das Kind was braucht.

  • Je mehr man am Tag draussen in der Natur ist, desto besser schlafen die Kinder in der Nacht. Und in den ersten Wochen kann pucken (enges Einwickeln in ein Tuch) dem Kind beim Schlafen helfen, weil dies die Enge in der Gebärmutter simuliert.

 

Tragen

Wir Menschen sind Traglinge, also der Nachwuchs wird getragen, bis er sich selbstständig fortbewegen kann. Kinderwagen sind eine moderne Erfindung und dieser Meinung war auch unser Traum-Baby. Die Spaziergänge mit dem Kinderwagen in den ersten Monaten kann man bei uns an einer Hand abzählen. Deshalb gehörten (und gehören immer noch in abgespecktem Ausmass) Tragetücher zu unserem wichtigsten Hilfsmittel. Natürlich gibt es noch andere Tragehilfen, am besten lässt man sich hier professionell beraten und findet dasjenige, dass für einen am besten passt. Und Tragen bietet enorm viele Vorteile:

  • Egal ob zu Hause oder unterwegs, ist das Kind in einer Traghilfe hat man beide Hände frei (obwohl man auch einhändig sehr weit kommen kann, wie sicher alle Eltern bestätigen können).

  • Unterwegs ist es viel einfacher, das Kind am Körper zu tragen als sich mit dem Kinderwagen seinen Weg zu bahnen (wo ist die Unterführung mit Rampe oder der Lift, gibt es noch einen Platz im Bus, wann kommt das Tram mit Niederflureinstieg? etc.)

  • Mit der richtigen Kleidung (Stulpen, Kappe, Tragejacke) hat das Kind und auch der Lastesel immer schön warm und man muss sich keine Sorgen machen wie beim Kinderwagen, dass das Kind verkühlt oder überhitzt. Beim Tragen kann das Baby nämlich seine Köpertemperatur über Mami oder Papi (oder wer auch immer trägt) regulieren.

  • Papis können mit dem Tragen ganz viele Nähe mit dem Kind erleben und so zum Mami und ihrer Stillbeziehung aufschliessen.

  • Tragen fördert die motorische Entwicklung beim Kind, weil die Muskulatur sanft trainiert wird und der Gleichgewichtssinn stetig gefordert. Zudem wird der verbreiteten Hüftproblematik vorgebeut, dank der beim Tragen üblichen Anhock-Spreiz-Haltung.

     

Ausscheidungskommunikation

Dieses Wort wirkt total umständlich, steht aber für etwas sehr Simples. Andere Ausdrücke sind windelfrei, Abhalten oder einfach sauber sein ab Beginn. Kinder wollen sich selbst nämlich nicht beschmutzen und anders als die verbreitete Annahme, sind sie nicht erst mit drei Jahren oder später in der Lage, zu merken wann ein Bisi kommt oder ein Gaggi drückt, sondern das spüren sie von Geburt an. Wir haben im Geburtshaus gezeigt bekommen, wie wir unser Traum-Baby beim Wickeln abhalten können und bereits nach wenigen Tagen gabs den ersten Erfolg: Gaggi ins Töpfchen statt in die Windel. Durch diesen Erfolg bestärkt haben wir es weiter gezogen, immer beim Wickeln (was wir jeweils beim Stillen zwischen Brust eins und zwei gemacht haben) wurde abgehalten und so hat unsere Tochter oft Bisi und Gaggi ins Töpfchen gemacht. Abhalten bedeuted übrigens nichts anderes, als das Kind mit angewinkelten Beinen über ein Gefäss oder die Toilette (Badewanne, Lavabo oder draussen neben einen Busch) zu halten. Mein Traum-Baby geht mit ihren zwei Jahren zuverlässig aufs Töpfchen, wenn sie untenrum nackt ist. Hat sie eine Windel an lässt sie aber einfach laufen. Und Gaggi ansagen klappt auch schon sehr zuverlässig, sie will dann aber nicht immer aufs WC sitzen. Das ist aber nur einer der Vorteile:

  • Es ist respektvoll gegenüber dem Baby, wenn auch das Bedürfnis 'Ausscheiden' wahrgenommen wird und Mami und Papi darauf reagieren (bei 'Schlafen', 'Essen' und 'Nähe' wird das ja schon sehr konsequent gemacht).

  • Man spart Windeln und auch Zeit, vor allem wenn man weniger 'Nackenschisswindeln' wechseln muss und die Kinder durchschnittlich früher ganz trocken und sauber sind. Die Zeit fürs Abhalten wird so sehr schnell kompensiert.
     

     

  • Abhalten führt zu weniger wunder Haut am Fudi. Gold wert bei unserer Tochter, sie hat extrem empfindliche Haut.

  • Wenn das Kind nach kurzer Zeit weiss, dass es beim Windelnwechseln abgehalten wird, dann muss man nicht mehr Angst haben plötzlich angepinkelt zu werden oder gleich ein Gaggi in der frischen Windel zu haben.

  • Mit einer entspannten Position (beispielsweise sitzend mit einem Topf zwischen den Beinen und das Baby mit dem Rücken zum eigenen Bauch mit angewinkelten Beinen darüber halten) kann man locker eine Minute warten, ob etwas kommt. Wenn das Kind grösser und schwerer wird, kann man es auch beim Sitzen auf dem Häfeli stützen.

  • Falls euer Baby Zeichen macht, dann hat man immer noch ein paar Minuten Zeit, um es auszuziehen und abzuhalten. Und falls man keine Zeichen erkennt (so wie das bei uns der Fall war), kann man problemlos 'nur' in Standartsituationen abhalten (zwischen den Brüsten/nach dem Essen, nach dem Schlafen, nach dem Tragen).

  • Nachts abhalten kann zu einem besseren Schlaf führen (keine volle Blase die stört). Es gibt aber auch Eltern oder Babys, die darauf absolut keine Lust haben. Dafür haben wir schlauen Menschen ja zum Glück die Windeln erfunden.

  • Nicht verzweifeln bei Phasen, wo mal wieder nichts klappt. Das ist normal und gehört zur Entwicklung. Es isch alles nur e Phase und die Phase gaht verbi...

  • Hat Gross oder Klein mal keine Lust, kann man das Abhalten auch mal pausieren oder minimieren. Nur schon einmal pro Tag abhalten (zum Beispiel nach dem Mittagsschlaf) erhält das Körpergefühl fürs mal müssen.

 

Babyzeichen

Dieser Aspekt ist einfach eine Weiterentwicklung des bedürfnisorientierten Gedankens. Das Kind hat ein Bedürfnis mit uns zu kommunizieren, bevor es von der Hirnentwicklung in der Lage ist zu sprechen. Hier helfen Babyzeichen. Das ist nichts anderes, als eine Gebärdensprache für Babys. Dazu gibt es Apps, Bücher und auch Kurse. Wir haben die App und einen Toddlerkurs genutzt. So hat Traum-Baby ab gut 13 Monaten angefangen mit Zeichen zu kommunuzieren:

  • Der grösste Vorteil ist, dass das Kind eine Möglichkeit bekommt uns mitzuteilen was es möchte (vor allem hilfreich bei Dingen, welche nicht im Sichtfeld sind, zum Beispiel Erdbeeren aus dem Kühlschrank anstatt die Banane auf dem Tisch).

  • Ich fand es viel angenehmer, wenn meine Tochter ein Zeichen gemacht hat, anstatt einfach nur zu quengeln oder stöhnen (klar verstand ich ein Rupfen an meinem Oberteil und ein ungeduldiges ääähäähääh auch, aber ich fand es viel schöner, wenn sie mir das Zeichen für Milch gemacht hat).

  • Es ist einfacher Betreuungspersonen die Zeichen zu erklären (mit der App oder dem Buch), als all die verschiedenen Geräusche, die Mamis und Papis ja meistens richtig verstehen, nur der ganze Rest nicht.

  • Man muss keine Angst haben, dass sich durch die Babyzeichen die Sprachentwicklung verzögert. Sobald das Kind in der Lage ist zu sprechen, wird es die Zeichen und das Wort eine Weile parallel machen und irgendwann das Zeichen weglassen. Unsere Tochter plaudert mit ihren 25 Monaten wie ein Wasserfall.

 

Natürlich gehören noch andere Aspekte dazu und die Grundhaltung kann man in vielen anderen Bereich als den grossen Baby-Themen umsetzen. Wer interessiert ist, kann sich im Internet schlau machen (auf schlaueren Seiten als meinem Blog) oder das Buch dazu lesen. Und die wichtigste Sache ist, dass es für die jeweilige Familie stimmt. Stillen geht gar nicht? Dann gibts ja zum Glück Schoppen. Neben dem Kind schlafen ist eine Tortur? Dafür wurden Babyphones erfunden. Ständiges Tragen geht auf den Rücken? Kein Problem, wenn das Kind auch im Kinderwagen zufrieden ist.

 

Was gehört für euch zu einem artgerechten Leben? Und wie schafft ihr es die Balance zwischen den Bedürfnissen eurer Kinder und den eigenen zu finden?

 

Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Euer Traum-Mami

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