HOI MIN SCHATZ

March 2, 2019

Das waren meine ersten Worte zu meiner kleinen Tochter. Ein wunderschöner Moment!

 

 

Wie hat man eine schöne Geburt?

Viele haben ja ein bisschen Angst oder zumindest Respekt vor der Geburt. Die schlimmen Schmerzen, das Blut oder je nach dem wie gut man informiert ist (Hollywoodfilme sind keine gute Informationsquelle) auch die Scham vor allfälligem Stuhlabgang schüchtern viele ein. Obwohl wir alle schon mindestens einmal bei einer Geburt dabei waren, können wir uns an unsere eigene nicht erinnern und somit ist es beim ersten Kind in aller Regel absolutes Neuland für die werdenden Eltern. Ich aber hatte überhaupt keine Bedenken vor der Geburt. Wir haben uns bereits sehr früh für das Geburtshaus Zürcher Oberland entschieden und wussten, dass wir die gesamte Geburt hindurch bestens betreut sein werden. Von Bekannten habe ich Horrorgeschichten gehört, wie sie eigentlich die ganze Geburt hindurch alleine waren im Spital, weil es völlig überlaufen war oder dass sich der Arzt dauernd eingemischt und zu Interventionen gedrängt hat. Das sind natürlich nur Einzelfälle, aber halt trotzdem Möglichkeiten in einem Spital. Diesen Problemen wollten wir vorbeugen. Mit der garantierten 1:1 Betreuung (für die eigentliche Geburt dann sogar zwei Hebammen) waren wir bestens begleitet.

Wie bereits erwähnt sind die allermeisten Geburten in Filmen völlig unrealistisch dargestellt. Viel Geschrei, so ziemlich von Anfang an und die Frauen liegen eigentlich durchs Band in allen Filmen und Serien auf dem Rücken und haben die Beine gespreizt. Und meistens bekommen sie noch Eiswürfel aus diesen hochästhetischen komisch-mattrosagraurot-mässigen Bechern. Und was ich auch immer unrealistisch fand, war dass zu Beginn eigentlich immer aus heiterem Himmel die Fruchtblase geplatzt ist und so die Geburt losging. Tja, ich musste feststellen, dass zumindest dieser Teil durchaus passieren kann.

 

Es geht los

Meine Geburt begann am 25. Januar um ca. drei Uhr nachmittags. Ich sass auf dem Gymnastikball vor dem Computer, habe gerade mit einem Freund abgemacht, wann wir uns am Abend treffen sollen und dann wurde es nass. Sehr nass! Meine Fruchtblase war geplatzt und das ganz ohne Wehen. Ich hatte zwar am Montagabend leichte Wehen, aber noch total kurz und unregelmässig. Und den Schleimpfropf habe ich auch in der Nacht auf Dienstag verloren. Aber davon abgesehen gab es gar keine Anzeichen für eine baldige Geburt (im Nachhinein erfuhr ich, dass dies doch bei etwa einem Viertel der Geburten passiert). Ich rief also im Geburtshaus an und sie machten mit mir für den Abend einen Termin ab zur Kontrolle. Sehr locker und entspannt, überhaupt nicht so panisch, wie es im Internet teilweise steht (dort heisst es, bei einer geplatzten Fruchtblase ohne Wehen solle man sofort die Amublanz rufen und liegend ins Spital transportiert werden. Wenn nach 24 h das Kind noch nicht da ist, braucht es einen Kaiserschnitt). Als erstes legte ich mich danach trocken und dann informierte ich meinen Mann, dass es nicht mehr ewigs gehen wird, bis wir unseren Schatz in den Armen halten können.

Am späteren Nachmittag kamen dann langsam auch die Wehen, doch immernoch relativ kurz und in grösseren Abständen. Wir wussten nicht recht, ob wir nach der Kontrolle gleich im Geburtshaus bleiben würden oder nochmals nach Hause gehen werden. Deshalb haben wir uns darauf vorbereitet im Geburtshaus zu bleiben und die Wohnung noch aufgeräumt, die Hühnersuppe fertig gekocht und die Nachbarin informiert, dass sie jetzt dann den Katzen schauen muss.

 

Ab nach Bäretswil

Die Kontrolle zeigte, dass alles bei mir und der Kleinen in Ordnung war. Angelika, die diensthabende Nachthebamme überlies die Entscheidung uns, ob wir bleiben wollen.

 

 

Da ich keine Lust hatte, wieder nach Hause zu fahren um dann evtl. in einigen Stunden wieder zurückzufahren, blieben wir und entschieden uns für das Wochenbettzimmer 'Linde' (es hatte nur zwei andere Wöchnerinnen im Haus und somit konnten wir aus vielen Zimmern auswählen). Angelika empfahl mir, dass ich versuchen sollte zu schlafen. Haha, leichter gesagt als getan, sie hatte ja nicht alle fünf bis zehn Minuten eine Wehe! Nach einigen Stunden hat sie mir dann versichert, dass dies keine Geburtswehen sind und die Geburt nicht mehr diese Nacht losgehen wird. Danach habe ich es wirklich geschafft, trotz Wehen ein bisschen zu schlafen, ich liess sie jeweils einfach wie Wellen kommen und wieder wegziehen, ohne dabei wirklich aufzuwachen. Am Morgen ging dann die 1:1 Betreuung los. Dorothee kam und war den ganzen Tag nur für mich zuständig. Nach dem Frühstück empfahl sie uns als erstes einen Spaziergang, um das Ganze in Gang zu bringen. Danach kamen Massagen, Tees, Akupunktur, noch mehr Massagen, um den Mittag mal ein CTG und eine kurze vaginale Untersuchung und dann am Nachmittag auch mal noch einen Einlauf. Alles mit dem Ziel, dass die Geburt ausgelöst wird. Die Wehen wurden aber nicht stärker, um den Mittag rum waren sie sogar wieder teilweise ganz weg (natürlich genau dann, als das CTG gemacht wurde). Dieser Donnerstag war irgendwie sehr streng, dauernd die (im Vergleich zu später) leichten Schmerzen und die Ungewissheit, wie lange es noch dauert. Doch jedes Mal beim Essen (was wirklich super lecker ist!) sah ich die Mamis, welche ihre Babys schon im Arm hatten und da wusste ich wieder, dass sich der ganze Aufwand lohnt und das Ziel in greifbarer Nähe ist.

 

 

'Endlich' tuts weh

Beim Nachtessen gab es zum 'Dessert' einen Wehencocktail. Aprikosensaft, Mandelmus, Prosecco und Rhizinusöl. Richtig scheusslich, aber man macht ja alles für sein Kind. Anschliessend hiess es wieder, wir sollen versuchen zu Schlafen. Die Hebammen vertraten nämlich die Ansicht, dass man am Tag versucht die Wehen zu fördern und in der Nacht sich ausruht. Ansonsten wäre man nach einer Nacht lang Treppensteigen schon erschöpft wenn die Geburt dann am Morgen losginge. Doch diesesmal klappte es definitv nicht mehr mit Wehen ignorieren und schlafen. Als ich so um 10 Uhr wieder Angelika rief, sagte sie ganz lässig, dass es jetzt doch nach Geburt ausschaut (ich fühlte mich aber lustigerweise nicht anders als am Abend vorher). Somit bot sie die diensthabende Hebamme für meine Geburt auf. Bis zu ihrem Eintreffen war dann doch noch Treppensteigen angesagt. In dieser Zeit kamen die ersten Doppelwehen, eine ganz fiese Geschichte. Dann wenn man denkt 'Uff, gleich vorbei und Pause' geht es wieder los und die ersehnte Erholung bleibt vorerst aus. Bald darauf kam Beatrice. Sie war super lieb und sehr ruhig, genau das Richtige. Die erste Hälfte der Geburt blieben wir in unserem Wochenbettzimmer. Zu meinem Traum-Mann sagten wir, dass er doch nochmals ein bisschen schlafen soll, bis es spannender wird. Er 'fügte' sich und tat etwa zwei Stunden lang so, als ob er am schlafen wäre (was natürlich nicht funktioniert, wenn daneben die Frau in den Wehen liegt). Beatrice brachte mir zu trinken und zu essen, zeigte meinem Mann (der mittlerweile sein Schlaftheater beendet hat), wie er mein Kreuz massieren kann während den Wehen und hielt sich ansonsten im Hintergrund. Mit der Zeit wurden die Wehen stärker und ich fing an aaaaa zu brummen, so wie ich es im Schwangerschaftsyoga gelernt hatte. Und ich sehnte mich nach der Badewanne.

 

Ab ins Wasser

Beatrice bereitete deshalb das Geburtszimmer vor und um halb drei Morgens gings dann ab in den grossen Geburtspool.

 

 

Ich fand das sehr angenehm, da mein Traum-Mann mich immer zu Beginn der Wehe schnell in den Vierfüsslerstand ziehen konnte, die mit Abstand angenehmste Position während den Wehen. Wenn sie dann vorbei war konnte ich mich einfach erschöpft zurücksinken lassen und im warmen Wasser schweben, bis es dann wieder von vorne losging. 'An Land' war dieser Wechsel immer sehr mühsam, da die Wehe sich nicht langsam anschlich und man genug Zeit hätte, sich umzupositionieren, sondern die war immer zack da und mit Wehen bewegen ist so ein bisschen unangenehm. Irgendwann platzte dann die Fruchtblase zum zweiten Mal, anscheinend eine eher seltene Angelegenheit. War mir aber in dem Moment absolut schnuppewurst. Die Wehen waren anstrengend, ich war die zweite Nacht in Folge nicht wirklich am Schlafen und, ahja, Wehen tun auch wirklich weh! Wäre ich im Spital gewesen, dann hätte ich wahrscheinlich dankend das Angebot einer PDA angenommen.

Doch Beatrice war eigentlich genau so gut wie eine PDA. Sie half mir immer wieder, wenn ich drohte von den Wehen übermannt zu werden. Mit der richtigen Einstellung und Vorstellung schmerzen die Wehen nämlich viel weniger (was zeigt, dass eine natürliche Geburt ohne Schmerzmittel oder Betäubung aboslut möglich ist, solange man nur gut betreut wird). Trotzdem war ich überzeugt, dass dieses Kind ein Einzelkind bleiben würde. Mein Mann holte mal noch eine CD, doch das war genau genommen ziemlich unnötig. Während den Wehen war ich so laut, dass ich nichts hörte und in den Pausen war ich so weggetreten, dass ich nicht zuhörte.

Einmal versuchte ich es noch ausserhalb der Badewanne, aber das fand ich nicht lange gut (so ca. 15 Minuten im Ganzen). Ich bin halt schon eine Wasserratte und meine Tochter hat das übernommen. Ab ca. vier Uhr morgens begann dann die Schlussphase der Geburt. Ich spürte einen Druck auf meinem Damm und merkte, wie sich mein Kind während den Wehen in Richtung Ausgang bewegt und sich in den Pausen wieder zurück zieht. Eigentlich ist das ja erst der strenge Teil, aber ich habe das überhaupt nicht so empfunden. Bisher haben die Wehen einfach weh getan und ich musste mir vorstellen, wie sich alles öffnet und dehnt und so den Weg für die Kleine frei macht. Doch jetzt spürte ich richtig, wie sich mein Kind bewegt und wie es vorwärts ging. Deshalb standen die Schmerzen nicht mehr im Zentrum und ich hatte wieder Energie. Eine Stunde später kam dann noch Angelika dazu, damit Beatrice sich voll und ganz auf mich konzentrieren konnte und sich nicht auch noch mit der Dokumentation rumschlagen musste.

 

Willkomme uf dere Wält

Für die Geburt selbst war ich dann nicht mehr im Vierfüsslerstand sondern auf Anraten von Beatrice in der Seitenlage, nach wie vor in der Badewanne. Auf die letzten Wehen fieberte ich richtig hin und die Pausen kamen mir viel zu lang vor. Und am 27. Januar 2017 um 5.41 Uhr kam unser erstes Kind zur Welt. Ein absolut magischer und unvergleichlicher Moment. Und man wird so von Glückshormonen überschwemmt, dass ein Drogentrip dagegen gar nichts wäre!

 

 

Ich konnte meinen kleinen Schatz etwa eine halbe Stunde geniessen und an meine Brust halten. Dann begannen die Nachwehen (von welchen ich immer dachte, die gehen dann ganz nebenbei und tun überhaupt nicht mehr weh) und ich konnte mich während den Wehen (die durchaus immernoch sehr schmerzhaft sind und überhaupt nicht einfach so nebenbei geschehen) nicht mehr richtig auf das Traum-Baby konzentrieren. Also wurde sie abgenabelt und jetzt vom Papi gehalten. Ich blieb in der Wanne und nach wenigen Wehen merkte ich, dass sich die Plazenta abgelöst hat. Die Hebammen sagten, ich solle sie selbst an der Nabelschnur rausziehen. Gesagt, getan und ich sage euch, dieses Bild!!! Bisher war das Badewasser ziemlich sauber. Zweimal hatte ich ein wenig Stuhlabgang (was wahrscheinlich daran lag, dass ich am Nachmittag noch einen Einlauf hatte, sonst wäre es sicher mehr gewesen), was jedoch immer schnell von Beatrice gesäubert wurde. Und die Geburt ist auch nicht blutig. Doch als ich die Plazenta aus mir rauszog, kam auch das ganze Blut mit und mit einem Mal färbte sich das Badewasser rot. Ich kam mir ein bisschen vor wie in einem Horrorfilm. Anschliessend wurde ich abgeduscht und wir legten uns alle gemeinsam ins Bett (also nicht die Hebammen, nur mein Mann, unser Kind und ich). Es war jetzt halb sieben am Morgen. Die beiden Hebammen erklärten uns noch die Plazenta, kontrollierten meinen Damm auf Verletzungen (nichts gerissen, danke Kopfumfang von 33 cm, nur eine leichte Schürfung an den inneren Schamlippen) und halfen beim ersten Mal ansetzen an der Brust.

Um halb acht kam dann wieder Dorothee, welche auch am Donnerstag bei mir war. Sie brachte uns Frühstück ans Bett und versuchte mit mir mehrmals auf die Toilette zu gehen. Mein Kreislauf fand aber aufrechte Positionen völlig überbewertet und ich verabschiedete mich dann halt wieder ins Liegen. Und ich sage euch, spätestens wenn ihr nackt und blutend auf einem WC-Boden liegt und euch die Beine in die Höhe gehalten werden, dann habt ihr jegliches Schamgefühl verloren und ihr seid für alles gewappnet. Irgendwann klappte es dann doch noch mit dem Bisi machen auf dem WC (Bettpfanne ging gar nicht, soweit ist das Schamgefühl dann doch nicht gesunken und vor allem hat die blöde Bettpfanne auch ziemlich weh getan. Schliesslich wurde mein Steissbein während der Geburt ordentlich gedehnt und bewegt und dann eine harte Plastikschüssel darunter legen ist alles andere als angenehm). Und um viertelvor elf zog unsere kleine Familie dann zurück in unser Wochenbettzimmer.

 

 

Wie hat euch mein Geburtsbericht gefallen? Habt ihr auch ein schönes Geburtserlebnis oder verlief eure Geburt nicht ganz so wie erhofft? Oder kennt ihr wirkliche Horrorgeschichten (nicht nur pseudomässige Horrorfilme mit einer Badewanne voll Blut)?

 

Ich freue mich auf eure Antworten!

Euer Traum-Mami

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