SCHLAF CHINDLI SCHLAF

March 9, 2019

Ach herrje, wenn es ein Klischee zur Elternschaft gibt, welches bei uns zutrifft, dann das mit dem dauernden Schlafmangel. Die ersten Wochen oder sogar Monate konnten wir uns zwar über Traum-Babys Schlafdauer am Stück nicht wirklich beklagen, bereits nach wenigen Tagen hat sie angefangen in der Nacht nur kurz zum Stillen aufzuwachen und anschliessend gleich weiter zu schlafen. Morgens um zwei mit einem weinenden Baby Runden durch die Wohnung zu drehen oder vor einem laufenden Dampfabzug hin und her zu schaukeln (ja, verzweifelte Eltern machen das und noch viel mehr), blieb uns erspart (allerdings schlief sie am Anfang selten vor 11 Uhr abends ein, ein bisschen Rundendrehen im Dunkeln konnten wir also trotzdem). Doch alle zwei Stunden geweckt werden (resp. alle eineinhalb Stunden, da die zwei Stunden ja ab Beginn des Stillens gelten und man nicht sofort wieder einschläft) ist dennoch sehr kräftezehrend. Ausserdem schlafen Neugeborene unglaublich laut! Die seufzen, ächzen, grunzen, stöhnen, und chnörzlen die ganz Nacht was das Zeug hält. Einige Eltern finden das beruhigend, so hören sie immer gleich, dass das Kind noch atmet und alles in Ordnung ist. Ich fand es eher störend, ich hab es gerne ruhig zum Einschlafen. Deshalb habe ich mir sogar manchmal mit Oropax Ruhe gönnen müssen (da Traum-Baby gleich neben mir im Beistellbettchen geschlafen hat, musste ich keine Angst haben, etwas Wichtiges zu verpassen.

 

Zeit zum Durchschlafen, haha

Dann waren die ersten drei Monate vorbei und in unserem Kulturkreis kommt in diesem Alter die Erwartung an besseren Schlaf auf. Die Stillpausen in der Nacht wurden auch tatsächlich länger, doch ich naives Mami habe doch tatsächlich geglaubt, es sollte möglich sein, länger als nur vier Stunden am Stück zu schlafen. Ganz fies war in dieser Beziehung auch, dass die gleichaltrigen Kinder im Umfeld anscheinend angefangen haben durchzuschlafen (Eltern erzählen nämlich mit riesiger Begeisterung davon, wenn ihr Kind das erste Mal für längere Zeit am Stück geschlafen hat, dass es die darauffolgenden Nächte wieder im Zweistundentakt wach war, lassen sie gerne ungesagt). So dachte ich, nur mein Kind schläft schlecht und fing an zu verzweifeln. Die Lösung für mich in dieser Situation war das artgerecht-Buch. Somit konnte ich mich für die nächsten Monate damit abfinden, dass meine Nächte nach wie vor deutlich weniger Schlaf und deutlich kürzere Schlafphasen beinhalteten, als vor der Geburt.

Dennoch bleibt natürlich die Hoffnung, dass es irgendwann besser wird. Mit etwa 10 Monaten war wieder mal eine Phase, wo ich dachte, hey alle 60 - 90 Minuten geweckt zu werden (ja, die einzelnen Schlafphasen haben sich durchaus auch wieder verkürzt und ich trauerte den vier Stunden (welche ich damals für zu wenig hielt, haha) intensiv nach) ist nicht wirklich spassig! Deshalb vereinbarte ich eine Schlafberatung, in der uns mitgeteilt wurde, dass nachts abstillen die beste Lösung sei. Das sollte aber nicht vor Jährig gemacht werden, da der Kalorierenbedarf bis dahin einfach noch so gross ist, dass es besser ist, auch in der Nacht Milch zu bekommen (alle Kinderärzte raufen sich jetzt die Haare, aber das ist mir Wurst). Also warteten wir, bis mein Mann im Februar ein paar Tage am Stück frei hatte, damit er mich am Tag entlasten konnte. Schliesslich war klar, dass unsere Tochter die superduper Einschlafbrücke, die weiche, kuschelige Brust mit der warmen Milch und dem schönen Gefühl der Geborgenheit und Nähe nicht widerstandslos aufgeben wird. Und so war es auch, jedes Mal, wenn sie erwachte gab es ein langes Protestieren, war gar nicht schön. Nach einigen Nächten kamen zwar Fortschritte, sie schlief länger am Stück, der Protest wurde weniger, doch leider wurde ich dann krank, mein Mann musste wieder arbeiten und ich hatte die Energie nicht mehr, um weiter in der Nacht die Brust zu verweigern. Somit haben wir eine Zwischenlösung gesucht, wir haben mit einer Lampe (in Pferdeform) ein Zeitfenster symbolisiert, wo es dunkel ist und die Brust schläft. Nur wenn das Pferdchen wach war, war auch die Brust wach. Das war Traum-Baby aber ziemlich egal, ihrer Meinung nach sollte die Brust wach sein, wenn sie wach ist. Der einzige Vorteil war, dass mein Mann das Zeitfenster ohne Brust übernehmen konnte und ich in dieser Zeit im Gästebett meine Ruhe hatte.

 

Keine Brust mehr in der Nacht

Da dies keine langfristige Lösung war, haben wir im April, als mein Mann fast zwei Wochen mal frei hatte (nur ein paar Tage sind für so ein Projekt zu wenig) nochmals einen Versuch gestartet. Dieses Mal hat auch er die Nächte übernommen, damit die Verlockung der Brust nicht immer vorhanden ist (Alkoholiker machen ihren Entzug ja auch nicht in einer Brauerei). Und dieses Mal klappte es gut. Wahrscheinlich, weil unser Kind nochmals ein bisschen älter war und mehr verstand, sicher auch weil wir mehr Zeit hatten und deshalb entspannter waren, aber wahrscheinlich auch weil ich mittlerweile egosistisch genug war, dieses Bedürfnis von mir durchzusetzen. Seitdem sind unsere Nächte besser und die Schlaphasen haben sich verlängert.

Ganz glücklich waren wir aber noch nicht und machten im Sommer auch noch im KSW eine Schlafberatung. Dort wurde uns nahe gelegt, Traum-Baby zu rhythmisieren (immer zur gleichen Zeit ins Bett, immer zur gleichen Zeit aufstehen, Essen, etc.) Zudem haben wir herausgefunden, dass sie (leider) eher wenig Schlaf braucht und deshalb am Tag nicht zu viel schlafen sollte. Der neue Rhythmus brachte nochmals einige Fortschritte. Sie schlief jetzt zwar länger am Stück, dafür gab es immer wieder Nächte, wo sie plötzlich ein bis zwei Stunden wach war. In guten Nächten konnte sie einfach nicht wieder einschlafen und wälzte sich in meinen Armen hin und her. In schlechten Nächte weinte sie die ganze Zeit und verlangte dann morgens um drei Essen, Trinken, Unterhaltung und so weiter. Deshalb schlief mein Mann immer öfters nicht mehr im Famlilienbett, da er um 5 Uhr aufstehen musste. An den Wochenenden durfte ich dann ins Gästebett, damit ich mich wieder erholen konnte für die nächsten schlaflosen Nächte. Das war nicht unbedingt das, was wir uns vom Familienbett erhofft hatten.

 

Endlich am Ziel

Den bisher grössten Erfolg brachte meine Mandelentfernung im letzten Dezember. Nach der Operation schlief ich zwei Wochen lang im Gästebett und mein Mann war von a bis z für die Nacht zuständig. In dieser Zeit fing sie an wirklich durchzuschlafen (sowohl im medizinischen Sinn (länger als fünf Stunden am Stück), als auch im umgangssprachlichen). Vielleicht erwachte sie einmal noch kurz und brauchte einen Schluck zu trinken, aber danach schlief sie gleich wieder ein. Und das ist ja mehr als akzeptabel. Grundsätzlich ist dieser Erfolg bis heute geblieben, allerdings haben wir herausgefunden, dass die Nächte unruhiger sind, wenn ich neben ihr schlafe. Doch diese Lösung ist ja ganz einfach, deshalb schläft, wann immer, möglich mein Traum-Mann in der Mitte und alle haben einen friedlichen Schlummer (theoretisch, ich liege häufig wach neben meinen zwei schlafenden Schätzen und finde selbst den Weg ins Traumland nicht, doch das ist eine andere Geschichte).

 

Wie ergeht es euch? Habt ihr auch einen kleinen Schlafräuber oder seid ihr in dieser Hinsicht mit einem süssen Engel gesegnet? Welches ist euer erfolgreichstes Schlaflied (bei uns sind die Tophits 'Ich ghöre es Glöggli' und 'Schlaf Chindli schlaf')? Und habt ihr irgendwelche Tipps für schlaflose Mamis?

 

Ich freue mich von euch zu lesen

Euer Traum-Mami

 

 

 

 

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